Die Ci.-Viren

Wie wir wissen, gibt es unzählige Virenarten mit unterschiedlichstem Äußerem und verschiedensten Spezialisierungen. Einige von ihnen sind uns bekannt, wovon wir einige aus diesem Bekanntenkreis bekanntermaßen nicht besonders mögen. Einige aus dieser Gruppe Viren, die wir nicht mögen, uns aber leider sehr mögen, was uns dann wiederum das Leben schwer macht, veranlasst nun uns im Gegenzug, mittels geeigneter Mittel, ihnen das Leben schwer zu machen.

Auf Maßnahmen einerseits folgen Gegenmaßnahmen andererseits und umgekehrt. Die Strategien sind recht vielfältig, manchmal auch erstaunlich fantasievoll, es wird mutiert, man wechselt das Gewand oder man bedient sich, ähnlich dem Trojanischen Pferd, anderer Gesellen um sich Zugang zu unseren Zellen zu verschaffen.

Nun sind wir, sobald wir die ungebetenen Gäste übeltäterisch entlarvt, auch nicht müde es ihnen Gleich zu tun. Mal ist die eine Seite strategisch im Vorteil, mal ist es die andere Seite. Wer dann zum Schluss aber über den anderen triumphiert ist abschließend nicht absehbar, klar ist aber, alle Beteiligte geben sich größte Mühe.

In weiterer Betrachtung dieser großen Gruppe der Viren wollen wir uns nun insbesondere mit einer Untergruppe der Vieren beschäftigen, den Ci.-Viren. Diese Bezeichnung bezieht sich auf eine seltsame Beschäftigung, einer Spezialisierung auf höchstem Niveau, im übertragenden Sinn vielleicht in einen Zusammenhang zu bringen, mit den Motiven der ersten Wandbemaler, unter den noch recht steinzeitlich lebenden und wahrscheinlich Höhlen bewohnenden Menschen, nur eben deutlich fantasievoller.

Wenn bei den Menschen zur damaligen Zeit vermutlich der Ritt auf dem kleinen Zeh eines Dinosauriers noch Respekt, Achtung und den Vorsitz an der Tafel, der Wasserstelle oder der Wahl des Schlafplatzes brachte, so erfreuten sich die Viren wohl auch zu der Zeit sicher anderer Vergnügen. Das ist vielleicht ein wenig spekulativ, aber was ist im Vergleich zu Keule schwingenden Steinzeitmenschen nicht epochal größer?!

Zurück zur Klassifizierung oder Bezeichnung der Viren als Ci.-Viren.

Das Ci. steht für die Zugehörigkeit zur Gruppe der sogenannten „Cineasten“ unter den Viren. Eine Virenart die extrem klein ist, noch viel kleiner als die meisten anderen Viren, auch unter den Viren vergleichsweise richtige Luftikusse. Außer einer speziellen Neigung haben sie wohl die üblichen Ambitionen, sich zu vermehren, bei Zeiten ihr Äußeres zu ändern, die Welten zu bereisen, vielleicht einfach einmal schauen, wohin man kommt wenn man den mal geht. Alles weitere darüber hinaus wäre wieder spekulativ, aber wir können wohl sicher davon ausgehen, dass sie uns nicht explizit das Leben schwer machen (wollen). Ihre Neigung lebt von der bedingten Wiederholbarkeit, insofern ist anzunehmen, dass sie sich unserer Lebendigkeit erfreuen, ihr Besuch unsererseits (meist) folgenlos bleibt. Dazu aber später mehr.

Was hat nun zu der Bezeichnung „Cineasten“ geführt, oder wie ist es dazu gekommen?

Eine Tages, oder auch eines Nachts waren nun die zukünftigen Ci-Viren Kollegen anderer Virenarten gefolgt und in der Lunge eines potentiellen menschlichen Wirtes gelandet, bzw. haben sich inhalieren lassen.

Die Kollegen richteten sich nun häuslich ein, aber die ach so kleinen Ci.-Viren verirrten sich in den Weiten des gesamten Bronchialsystems bis hinein in die Lungenbläschen. Für die Ci.-Viren immer noch recht weite Räume. Orientierungslos aber überaus neugierig schauten sie sich nun, (und jetzt müssen alle Wissenschaftler und Mediziner ein wenig die Luft anhalten) die „Verladung“ des Sauerstoffs auf die roten Blutkörperchen an. Es geht zu wie auf einem Verladebahnhof, wenn auch Rhythmus und Kapazitäten des Vorgangs anderen Regeln als denen eines Güterbahnhofes folgen, klar, aber diese Verladestation ist eine perfekte Verbindung von Außenwelt und Innenwelt. Die von außen nach innen zunehmenden Hürden auf dem Weg in das Innere sind nicht leicht zu bewältigen, aber wenn man wirklich unglaublich klein ist, ist das eine der besten Voraussetzungen.

So saßen nun die klitzekleinen Ci.-Viren Beine baumelnd an den Alveolen und schauten dem Treiben zu. Neugierig überlegten sie nun, wohin die Reise des verladenen Sauerstoffs wohl gehen könnte. Bis dahin hatten sie diese innere Menschenwelt noch nicht besucht, waren sie ja sonst eher in anderen Organismen heimisch. Jetzt rangen sie mit sich, ob sie den Sprung auf die roten Blutkörperchen wagen sollten. Die Angst war doch noch zu groß und so ließen sie sich wieder ausatmen. Diese Geschichte wiederholte sich zunehmend häufiger, denn die Neugier der Ci.-Viren war einfach ungeheuerlich.

Eines Tages war es soweit, sie „sprangen“ gewissermaßen in Gruppen auf die Blutkörperchen und – Ab ging die Post!

Es taten sich Welten auf, die auch die Viren zu Begeisterungsstürmen veranlassten. Zum Glück waren sie bei ihrem ersten Menschenbesuch nachts unterwegs, so war das Tempo innerhalb des Blutkreislaufs einigermaßen gemäßigt. Es war ein einziges Abenteuer, oft waren sie lange unterwegs um den Mensch wieder zu verlassen. Über die lange Zeit ihrer eigenen Geschichte hatten sie sich die Viren Freiräume, Auszeiten verschafft, es ging nicht nur noch um die Vermehrung und so konnten sie ihrer Neugier frönen. (Andere Lebewesen bemalten Höhlenwände, alles wurde so schön bunt, die Viren entdeckten so etwas wie den Vorläufer des Kinos…)

Mit diesen ersten glücklich verlaufenden Reisen in die Menschen machten die Ci.-Viren aus diesen Wagnissen ihren großen spannenden Freizeit-Zeitvertreib. Sie begaben sich anfangs noch einigermaßen Planlos auf die Reisen, was sich dann mit zunehmendem Verständnis um die örtlichen Gegebenheiten zu gezielten Reisen entwickelte. Immer wenn die kleinen Virengruppen dann wieder in ihrem eigenen Zuhause angekommen waren, erzählten sie sich gegenseitig von ihrer Erlebnissen und Abenteuern. Später wurden auf die weise noch weitere Lebewesen aufgesucht, aber der Mensch hatte sie doch irgendwie gefangen genommen. Fortan besuchten sie die Menschen regelmäßig und das immer ohne jede Kenntnisnahme des Besuchten. Es gab also keine Angst vor Entdeckung oder Verfolgung, weder bewusst noch durch Abwehrmaßnahmen des menschlichen Immunsystems.

Über die viele Reisen in den Menschen war den Viren natürlich nicht verborgen geblieben, dass es einen großen Tag/Nacht Unterschied gab, so ist ihnen dann zu einem nächtlichen Zeitpunkt, als sie sich gerade im Gehirn des Menschen aufhielten, aufgefallen, dass es einen physikalischen Ort/Raum gab, an dem Ungeheuerliches geschieht.

Im Zustand des Schlafes, bzw. in und zwischen bestimmten Phasen dieses Zustandes werden an diesem Ort Gedanken, Überlegungen, Erlebnisse, Befürchtungen, Wünsche, Ängste und alle möglichen anderen Empfindungen aus und mit den verschiedenen Ebenen des Bewusstseins, des Unterbewusstseins, der Seele, des Seins zu/in Träumen visualisiert.

Die ganze Bandbreite des individuell Erlebten, die Einflüsse aus vergangenen nicht selbst physisch erlebten Zeiten, Universelles aus vergangenen Zeiten, alles ist Traum. Schmerz, Freude, Leid, Lust, Angst, Verstehen, Zweifeln, Sehnsucht, Glauben, Hoffnungen, Liebe, Aggression, Hass, Visionen, Alles kehrt immer wieder, Alles ist wirklich, Alles ist Nichts, Alles ist Traum, unsere Seele öffnet ihre Fenster, unser Selbst gibt sich im Traum die Ehre. Und manchmal müssen wir uns warm anziehen, bzw. warm zudecken, um unsere eigenen Träume auszuhalten.

Nun, die Viren hatten diesen Ort der Visualisierungen entdeckt! Den Ort an dem unsere Träume wie auf einer Leinwand anzuschauen sind. Träumen wir, sind wir also möglicherweise nicht allein. Vielleicht haben es sich einige Ci.-Viren in der ersten Reihe gemütlich gemacht, vielleicht haben sie sich einen Viren-Snack oder Taschentüchlein bereitgelegt, aber immer!! ist die Notbeleuchtung über dem Notausgang eingeschaltet. So manches Mal haben die kleinen Ci-Viren „ihr Kino“, unsere Träume fluchtartig verlassen. Jedoch und zum Glück war und ist das Traumprogramm für die Ci-Viren meist eher beschaulich, es wird Zustimmung, sogar Verständnis gemäß den Umständen, bis hin zum lauten Beifall und Begeisterung untereinander kommuniziert.

Der Ablauf dieser Traumschau läuft eigentlich immer ähnlich ab. Die Ci.-Viren lassen sich meist gruppenweise in den späten Abendstunden vom Wind um die Häuser und Wohnungen treiben. Sie sind dann auf der Suche nach müden Menschen. Hin und wieder suchen sie bestimmte Menschen auf, von denen sie sich besondere Träume erhoffen, weil sie um die Lebensbedingungen dieser Menschen wissen. Haben sie dann das Objekt der Begierde gefunden, warten sie geduldig auf das Schlafengehen der Person. Ist es soweit, lassen sie sich einatmen. Dann geht es auf direktem und bekanntem Weg ins „Kino“. Wird nun dieser spezielle Ort bei einem Menschen aus irgendwelchen Gründen öfter besucht, ist dieser „Raum“ auf Virenart meist präpariert. Meines Wissens gibt es so etwas wie Taschentuchspender, Snackautomaten, alles Mögliche an Virengerechtem Mobiliar bis hin zum aufgehängten Waschbecken, man soll dort sich übergebende Viren gesehen haben, aber das entspringt nur dem Hörensagen anderer Virenarten. Des Weiteren gibt es Haltegriffe, Gurte, überhaupt alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen wie im Fahrgeschäft. Die Ci.-Viren haben über die lange Zeit des Miteinander so ihre Erfahrungen gemacht und entsprechend reagiert.

Die „Vorstellungen“ dauern bekanntermaßen unterschiedlich lang und sind vielfältigster Natur. Aber immer finden die Ci.-Viren im Anschluss in ihrem eigenen Zuhause noch die Zeit für den Traumbezogenen Austausch, die Gesprächsrunde, die Diskussion und manchmal sogar das muntere Streitgespräch bezüglich des Erlebten.

So wurden über unzählig viele Virengenerationen diese kleinen der Kleinsten zu Spezialisten für Menschenträume und irgendwann bekamen sie den Beinamen „Die Cineasten“, von anderen Virenarten, die das alles überhaupt nicht interessiert.

So ist es!